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Meine Kollegin leidet an Selbstüberschätzung

Meine Kollegin leidet an Selbstüberschätzung

Ihr Kollege oder Ihre Kollegin leidet an Selbstüberschätzung und Sie dürfen es am Schluss vielleicht auch mit ausbaden, bzw. die Konsequenzen tragen? Vielleicht wirkte Ihr zielstrebiger Kollege sogar zunächst auch auf Sie sehr überzeugend und begeisternd. Was aber kann man tun, wenn die Selbstüberschätzung der Kollegen den eigenen Job madig macht oder gar gefährdet? Lernen Sie wie Ihre Kollegen so wurden und was Sie dagegen tun können.

Die eigene Fehlwahrnehmung

Eine gewisse Hybris, also Selbstüberschätzung, besitzen wir wohl alle. Sollten Sie Autofahrer sein und ich Ihnen die Frage stellen ob Sie sich für einen überdurchschnittlichen Fahrer bzw. Fahrerin halten, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass Sie diese mit “Ja” beantworten. Sie können in diesem Falle getrost davon ausgehen, dass Sie nun selbst Opfer Ihrer eigenen Selbstüberschätzung geworden sind. Haben Sie sich vielleicht heute, so wie ich, auf dem Weg zur Arbeit oder zurück über die idiotische Fahrweise anderer Verkehrsteilnehmer geärgert? Seien Sie unbesorgt. Ihnen passieren diese Fahrfehler statistisch gesehen genauso oft wie den anderen. Sie sind also höchstwahrscheinlich ebenfalls ein durchschnittlicher Autofahrer. So wie ich.

Die Hybris der Anderen

Nachdem ich Ihnen hoffentlich ein kleines Schmunzeln über sich selbst entlocken konnte, können wir die Selbstüberschätzung Ihrer Kollegin, Kollegen oder Vorgesetzten nun vielleicht etwas objektiver betrachten. Diese reicht im Einzelfall von gut gemeintem “Ich kann oder weiß es nun mal zum Wohle aller besser” bis hin zu “Ich bin der Größte und nur mir traue ich zu …..

  • die Wahrheit zu kennen
  • zu Wissen wie es geht
  • es besser als Andere zu können
  • erfolgreicher zu sein
  • Probleme in den Griff zu bekommen

„Meine Kollegin leidet an Selbstüberschätzung ist aber ausgesprochen charmant und überzeugend.“

Menschen mit gesteigerter Selbstwahrnehmung können oftmals andere gut von sich und ihren Ideen überzeugen und sind häufig ausgesprochen zielstrebig. Erinnert Sie das an das Profil einer Führungspersönlichkeit? Da liegen Sie nicht ganz falsch, denn in der Führungsetage mangelt es häufig ebenfalls nicht von gesteigerter Selbstwahrnehmung.

Wie kommt es zur Selbstüberschätzung?

Sich zu viel zuzutrauen ist grundsätzlich eine nützliche Sache.  Allerdings macht auch hier die Dosis das Gift. Unser Gehirn neigt schon im frühesten Kindesalter zur Selbstüberschätzung. Sogenannte Spiegelneuronen ermöglichen schon ab dem Säuglingsalter Unglaubliches. Wir erlernen hier durch die verbale und nonverbale Kommunikation mit unseren Eltern Empathie zu empfinden. Wir beginnen die Menschen unseres Umfeldes in diesem Entwicklungsstadium nachzuahmen. Und hier sorgt ein gewisses Maß an Selbstüberschätzung dafür, dass wir den ersten Schritt unseres Lebens wagen, obwohl der Schutzinstinkt vielleicht genau das verhindern würde. Aber nur so können Erfahrungen gesammelt und die persönliche Entwicklung voran getrieben werden.

Tatsächlich führt die Selbstüberschätzung dazu, dass zunächst viele Dinge besser gelingen und sich schneller Erfolge einstellen. So zeigt sich bei Grundschülern, dass jene mit einer erhöhten Selbsteinschätzung sich eher an Mathematikaufgaben heranwagten und sich dadurch auch eher Erfolg bei der Lösung der Rechenaufgaben einstellte. Da ein wichtiger Bereich unseres Denkens durch die gemachten Erfahrungen gesteuert wird, kommt es hier schnell zum Trugschluss, dass man einfach besser ist als andere, was man ja sich selbst, zum Beispiel mit einfachen Mathematikaufgaben, bewiesen hat.

Selbst- und Fremdwahrnehmung

Nun gibt es Menschen, die einzelne oder wiederkehrende persönliche Erfolge auch dann als überdurchschnittliche Leistung ihrer eigene Person ansehen. Und selbst dann noch, wenn die angewendete Vorgehensweise plötzlich nicht mehr funktioniert oder sich langfristig als falsch herausstellt. Personen mit solch einer überhöhten Selbstüberschätzung neigen selbst nach dem größten Scheitern dazu, sich bei zukünftig gleichen oder ähnlichen Aufgaben trotzdem als erfolgreiche Umsetzer anzusehen. Nicht selten ist die Hybris so ausgeprägt, dass Aufgaben völlig unterschätzt und die eigenen Ziele und Erwartungen viel zu hoch gesteckt werden. Hinzu kommt, dass Erfolge gerne der eigenen Person, Mißerfolge aber grundsätzlich bei anderen gesucht werden und/oder nicht zu beeinflussbaren Umständen zugeschrieben werden.

Was kann ich machen?

Es ist ganz normal, dass sich unser Kollege (und auch wir) uns meist in einem besseren Licht sehen als unser Umfeld dies tut. Wenn dies aber in völliger Selbstüberschätzung gipfelt und es Sie in Ihrem Beruf oder Aufgaben behindert, dann sollten Sie so vorgehen:

  1. Vorgesetzte ansprechen
    Hier geht es nicht ums Petzen sondern um das Wohlergehen Ihrer Person, der Kollegen und auch des Unternehmens. Sprechen Sie Ihre Vorgesetzten auf das Problem an, sagen Sie: „meine Kollegin leidet an Selbstüberschätzung“! Machen Sie Beispiele und bitten Sie um Lösungswege. Es ist nicht Ihre Aufgabe das Problem zu lösen. Es sei denn, Sie sind auch die vorgesetzte Person der oder des Betreffenden.
  2. Vertrauensperson in Boot holen
    In der Regel hören Menschen mit extremer Hybris nur noch auf den Rat von Menschen, die sie als enge Vertraute sehen um sich auf den Boden der Tatsachen holen zu lassen
  3. Expertise anzweifeln
    Im Idealfall sitzen Sie in einem Meeting und die Aufgabe kommt auf den Tisch und Ihr Kollege erklärt allen wieder einmal, dass nur er das kann. Hier sollten Sie nach beweisbaren Erfolgen fragen.
  4. Sich selbst ins rechte Licht rücken
    fragen Sie vor Zeugen nach, warum der Kollege oder die Kollegin denn glaubt, dass Sie oder andere Kollegen nicht in der Lage sind die Aufgabe zu erledigen. Und warum er oder sie ihnen keine Chance geben möchte. Aber Vorsicht: Menschen mit überzogener Selbsteinschätzung mangelt es oft an Empathie. Erwarten Sie also kein Mitleid!
  5. Flucht
    Wenn alles nichts nutzt, bleibt Ihnen leider nur die Möglichkeit sich aus dem Wirkungskreis der Person zu entfernen. Bitten Sie Ihre Vorgesetzten um neue Aufgaben ohne Schnittmenge mit der betreffenden Kollegin oder Kollegen. Sollte das alles nicht möglich sein und Sie sind unglücklich mit der Situation, bleibt Ihnen letztlich nur einen neuen Job zu suchen.
Zusammenfassung:

Menschen mit überhöhter Selbstüberschätzung mangelt es oft an Empathie für Kollegen, sind dafür aber umso überzeugter davon die oder der Richtige für die Aufgabe zu sein. Selbst dann, wenn die Erfahrung zeigte, dass dem nicht so ist. Es ist extrem schwer solche Kollegen zur Vernunft zu bringen, sich der Realität zu stellen und anderen etwas zuzutrauen. Besserung können meist nur enge Bezugspersonen schaffen oder das Problem durch Maßnahmen der Vorgesetzten eingedämmt werden. Eine dauerhafte Lösung ist oftmals leider nur durch Abteilungswechsel, einem neuen Aufgabenbereich oder schlimmstenfalls Kündigung möglich.

 

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Thorsten • 28. Juni 2017


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