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Digitale Sucht nach Social Media

Digitale Sucht – Übernehmen Sie wieder die Kontrolle

Social Media und die digitale Sucht. Seit 1983 arbeite ich mit Computern. 1993 bekam ich meinen ersten eigenen Internetanschluss und seit 2007 nutze ich soziale Medien, Business-Netzwerke und begann mit dem Bloggen. Trotz allem, hatte ich immer genügend restliche Zeit für das reale Leben übrig. Seit ein paar Jahren stieg aber nicht nur die Anzahl meiner mobilen Endgeräte im Beruf und im Haushalt, sondern auch deren Nutzung und die Gier nach Nachrichten aus dem Web. Zeit etwas zu ändern!

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich verdiene meinen Lebensunterhalt mit der digitalen Welt und möchte dies auch nicht ändern. Mit hello.jobs haben wir, meine zwei Partnern und ich, die erste Stellenbörse auf Basis künstlicher Intelligenz entwickelt. Mittlerweile ist diese zu einem umfänglichen Recruiting-Tool für Personaler geworden. Nun entwickeln wir mit Hilfe von künstlicher Intelligenz individuelle Lösungen für Unternehmen, die mehr über Ihre Mitarbeiter und Bewerber wissen wollen um diese besser einsetzen zu können und dabei die betreffenden Mitarbeiter auch mit Aufgaben zu betrauen, die diese glücklicher machen.

Schnelle Informationsbeschaffung

Um immer auf dem Laufenden zu sein, muss ich mich über alle für mich relevanten Themengebiete informieren. Beruflich, aber natürlich auch im Bereich meiner Hobbies oder anderweitigen Interessen. Dazu kommt die Kommunikation mit Familie, Freunden oder aktuell, Kurskollegen aus einer privaten Weiterbildung. Die digitalen Möglichkeiten sollen mein Leben einfacher machen. Aber es wurde einfach immer mehr und zeitintensiver.

Virtuelle Kommunikation durch digitale Werkzeuge möglich und mittels smarten Endgeräten für jeden zugänglich gemacht, haben aber nicht nur mein – und sehr wahrscheinlich Ihr Leben verändert, sondern das ganzer Gesellschaften. Ja, sogar der gesamten Welt. Vor 8 Jahren, am 12. Januar 2010 bebte die Erde in Haiti und brachte verheerende Verwüstungen. Die Nachrichten darüber und Bilder davon wurden schneller über die sozialen Medien verbreitet als die üblichen Presse-Wege dies vermochten. Im Gegenteil, hier begann (gefühlt) die moderne Informationsbeschaffung der Presse mit Hilfe der Nutzer, die heute nicht selten den Hauptteil der ersten Informationsquellen bei größeren globalen aber auch lokalen Ereignissen ausmachen.

Digitale Waffe und Nutzbringer für jedermann

Aktuell erleben wir einen Kommunikationswandel, der scheinbar enormen Einfluss auf Politik und sogar Präsidentschaftswahlen hat. Ganze Horden von Mitmenschen in Fanatismus und Rassismus zu führen scheint einfach geworden zu sein und ist damit ein weitreichendes und wirkungsvolles Instrument jeglicher Interessensgemeinschaft geworden. Wer jemanden überzeugen möchte kann jederzeit auf die digitale Waffe für jedermann zurückgreifen. Und auch ich nutze, wenn auch für positive Dinge, die Macht der digitalen Möglichkeiten um Einfluß in die Arbeitswelt von morgen zu nehmen und diese aktiv mit zu gestalten. Nicht immer muss es also schlecht sein, im Gegenteil, die Möglichkeiten sind fantastisch. Wann aber haben mich die Möglichkeiten zum informationssüchtigen Dauernutzer gemacht? Wann hat der digitale Nutzen Teile meines privaten Lebens aufgefressen? Und wie gestaltet sich eigentlich eine ausgeglichene Nutzung?

Was mit uns passiert

Während die digitale Welt uns mit jedem und allem in Kontakt bringt, verlieren wir diesen zu uns selbst und nicht selten zu unserem persönlichen Umfeld. Das Konsumieren von Informationen steuert immer mehr unser Denken und Handeln. Die Angst etwas zu verpassen erzeugt in uns einen ständigen Druck. Unser Display leuchtet kurz auf oder gibt einen Ton von sich. Es könnte eine WhatsApp oder vielleicht eine persönliche Message über eines der anderen sozialen Netzwerke eingegangen sein. Na, wie schwer fällt Ihnen dies wirklich zu ignorieren? Bei vielen Menschen sind es Vorgesetzte und/oder Kollegen, die den Keim für das schlechte Gewissen gelegt haben etwas zu verpassen. Eine Mail, einen Anruf oder eine Nachricht. Besonders mobile Endgeräte mutieren so vom Helferlein zum Bestimmer und wir vom aufgeklärten Nutzer zum Sklaven der digitalen Kommunikation. Verstehen Sie mich nicht falsch. Nicht die Maschinen sind das Problem, sondern unser Unvermögen diese zu beherrschen.

Ich bin auch überzeugt, dass die Trigger dieser digitalen Verhaltensweisen und Süchte nicht unbedingt bei jedem gleich sind. Was wir allerdings wohl alle verloren zu haben scheinen ist die Fähigkeit zur Selbstregulation. Diese ermöglicht uns unsere bewussten als auch unbewussten Emotionen, Fähigkeiten Impulse und Handlungen zu kontrollieren. Viele von uns können sich vermehrt nicht mehr von den digitalen Verlockung distanzieren. Wir verfangen uns in psychologische Feedbackschleifen.

Werde Sie zum digitalen Beherrscher

Es braucht gar nicht viel um im digitalen Zeitalter wieder die Kontrolle über seine Handlungen und Zeit zu erlangen und dabei gleichzeitig den maximalen Nutzen daraus zu ziehen. Hier ein paar Tipps dazu:  

1. Hintergrundaktualisierung ausschalten

Schalten Sie die Hintergrundaktualisierung einzelner Aps aus und schließen Sie diese. Zwingen Sie sich das Öffnen der Apps und die Kontrolle der eingegangenen Nachrichten auf festgelegte Momente am Tag zu verteilen.

2. Alpha und Omega

Checken Sie weder Mails noch irgendein Netzwerk direkt nach dem Aufstehen oder kurz vor dem Schlafen. Führen Sie dazu Rituale ein. Zum Beispiel erst nach dem Frühstück den ersten Check zu beginnen und vor dem abendlichen Zähneputzen das letzte mal.

3. Schalten Sie Töne für eingehende Nachrichten aus.

Das gilt auch und vor allem für EMails. Sie kennen den Pawlowschen Hund? Dann brauchen wir hier nicht weiter darüber ins Detail zu gehen.

4. Nutzen Sie Influenzer und Extremnutzer

Es gibt genügend Menschen die sich exzessiv um die unterschiedlichste Themen kümmern. Identifizieren Sie diese Menschen und Medien und informieren Sie sich einfach nur einmal am Tag über das jeweilige Themengebiet. Lassen Sie also lieber andere für sich ständig auf der digitalen Datenflut surfen.

5. Durchbrechen Sie immer wieder Routinen

Lassen Sie das Smartphone doch mal im Auto in der Tasche oder lassen Sie es beim Einkaufen zu Hause. Das Gefühl, dass etwas fehlt wird sich rasch legen.

6. Schärfen Sie Ihren Verstand

Wann sind Sie das letzte mal statt mit Navigationsgerät mit einem Stadtplan zu einem Ziel aufgebrochen? Sollten Sie noch in der glücklichen Lage sein dies erlernt zu haben, dann geben Sie das doch mal an Ihre Kinder, oder Neffen, Nichten usw. weiter.

7. Echte soziale Kontakte pflegen

Intensivieren Sie Ihre bestehenden Kontakte. Wenn Sie die für Sie wichtigen Menschen in letzter Zeit vernachlässigt haben, dann sollten Sie das jetzt versuchen wieder auf einen harmonischen Level zu bringen.

Wenn Sie in Zukunft das größte Potential aus den digitalen Möglichkeiten für sich oder Ihre beruflichen Aufgaben nutzen möchten, dann sollten Sie nicht vergessen, dass Sie der Bestimmer Ihrer Verhaltensweisen bleiben müssen. Lernen Sie effektiver zu konsumieren aber selbstbestimmt und mit so wenig Aufwand wie möglich. Denn es soll ihr Leben besser machen und nicht schlechter.

Foto: Unter CC0 von Freely Photos

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Thorsten • 8. Januar 2018


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